Geschichte der Siedlungen auf dem Wolfersberg und dem Bierhäuselberg

 
Der Bierhäuselberg in kaiserlichem Besitz
 
Im Jahr 1560 gelangten beim Kauf des Gutes Auhof vom Jungfrauenkloster St. Laurenz in Wien der Bierhäuslberg, Teile des Wolfersberges und das Wirtshaus „Zum Wolfen in der Au“ in kaiserlichen Besitz.
 
Seit 1599 bestand in Hütteldorf ein „prauhäusl“. Die ausgedehnten Bierkellereien erstreckten sich entlang der Linzer Straße im Bereich der heutigen Gärtnerei Radl. Dort befand sich auch der Einfahrtsstollen mit dem „Bierhäusl“, auf das die Namensgebung des Berges zurückzuführen ist. Gegenüber dieser Kellerei wurde vermutlich in den Jahren 1862 bis 1875 ein weiterer zwei Stockwerke tiefer Keller von gewaltigem Ausmaß angelegt. In den bis 2004 bestehenden Gebäuden befand sich die Firma Kraft & Wärme, heute findet sich dort ein Lebensmittelmarkt. Die darunterliegenden Kellereien sind zwar nicht mehr zugänglich, jedoch nach wie vor erhalten.
Seit Eröffnung der Westbahn im Jahr 1858 bildete Hütteldorf mit dem Bräuhaus und den umliegenden Spazierwegen eine beliebte Ausflugsgegend für die Wiener.
 
„Verein Schrebergarten, Kolonie – Mariabrunn“
 
Im Frühjahr 1914 wurde nach einer Planung von Julius Strauhsghitel, Obmann des Schrebergartenvereines „Rosental“ am Gipfel des Bierhäuslberges eine kleine Waldwiese, die dem Invalidenverband gehörte, gepachtet und der „Verein Schrebergarten, Kolonie – Mariabrunn“ gegründet. Von Hütteldorf war diese Wiese nur zu Fuß auf einem Waldweg erreichbar. Der Haupteingang befand sich am Beginn der heutigen Alois Behr Straße 1 – 2 , ein Zweiter an der Einmündung des Weges von der Wolfersberggasse (heute An der Grenze 13).
Mit Jahresende 1914 stand nicht nur dem 1. „Aufseher“ der Siedlung, Franz Worsch, die Vereinskanzlei in der Alois Behr Straße 22 zur Verfügung, sondern es waren auch die ersten schmucken „Sommervillen“ fertiggestellt.
 
Im Ersten Weltkrieg rückte Wien ab 1916 in den Gefahrenbereich. Der Bierhäuslberg und Teile des Wolfersberges wurden in eine regelrechte Festung umgewandelt. Am äußersten Vorsprung des Bierhäuslberges gegen das Wiental (im Bereich des ehemaligen Karl-Leeder-Platzes) entstand eine große Bunkeranlage. Als Zufahrt für das Militär wurde vom Hütteldorfer Friedhof eine Straße durch den Wald gebaut, deren Verlauf die heutige Bierhäuselberggasse folgt. In den Jahren 1920 bis 1923 wurde die Siedlung durch Pachtung der abgeholzten Auhofgründe bedeutend erweitert und anstelle der hölzernen Vereinskanzlei ein gemauertes Schutzhaus errichtet. Nach Herrn Gally übernahm Franz Zauner, ein Bruder des Bad Ischler Zuckerbäckers, als Pächter das Schutzhaus.
 
Im Jahre 1923 übernahm auf allgemeinen Wunsch der Siedler Prof. Rudolf Henke die Stelle des Vereinsobmannes. Zu seinen Stellvertretern wurden Hans Muhr und Franz Meschkan bestellt. Letzerer, ein erfahrener Bühnenfachmann, gründete 1923 die „Theatersektion am Bierhäuslberg“. Der Zeitpunkt, zu dem Alois Behr als Obmann den Verein übernahm, ist bis heute nicht geklärt. Unter ihm erwarb der Siedlerverein in den Jahren 1927 bis 1929 sämtliche Pachtgründe. 1929 wurde jedes Mitglied des Vereines als Eigentümer seines Gartenstückes ins Grundbuch eingetragen. 1932 wurde die Wasserleitung fertiggestellt. In den Jahren 1933 und 1934 wurden über 3 km Straßen in der Siedlung errichtet. Als Erinnerung daran pflanzte der freiwillige Arbeitsdienst Ecke Rudolf Henke-Straße – Pfarrwiesenstraße die „Alois-Behr-Linde“ zum Dank für gute Unterkunft und Verpflegung während der Bauarbeiten. Sie wurde zum Wahrzeichen des Bierhäuselberges und in der Nacht vom 28. auf den 29. Jänner 2007 Opfer einer furchtbaren Sturmböe . Mit Hilfe von Spenden konnte ein neuer Baum neben der Schrifttafel gepflanzt werden.
1933 wurde von der Firma Bindl & Co die erste Autobuslinie auf der Strecke des heutigen „Rundkurses“ in Betrieb genommen.
Auf Grund der politischen Ereignisse musste 1938 der Siedlerverein aufgelöst werden. Das Schutzhaus (am Bierhäuselberg) wurde von der Familie Foidl übernommen.
 
Zur Entstehung der Siedlung Wolfersberg
 
Bis zum Jahr 1914 waren Wolfersberg und Teile des Bierhäuslberges ein herrlich grüner Wald, unberührt vom Strom der Großstadtausflügler. Als dem Ende des Ersten Weltkrieges ein unfassbar entbehrungsreicher Winter voll Not und Elend folgte, wurde auch auf dem Wolfersberg der gesamte noch verbliebene Baumbestand gefällt und von Tausenden von frierenden Wienern verheizt.
 
Im Juli 1919 hatte sich in Wien ein Kreis von Frauen und Männern in einer„Gesellschaft für Innenkolonisation“ (INKO) gebildet. Auf der Suche nach Siedlungsgründen kamen sie auch auf den kahl geschlagenen Wolfersberg. Gegen den Widerstand der städtischen Forstverwaltung, die das Gebiet wieder zur Gänze aufforsten wollte, wurde der Wolfersberg ab 1920 von den INKO-Leuten besiedelt. Zu Weihnachten 1921 konnte das erste Haus bezogen werden. Dieses Haus steht noch heute an der Ecke Anzbachgasse – Siriusweg. Mit Finanzierung der englisch-amerikanischen Quäkermission (Gesellschaft der Freunde) wurden nach und nach 60 Eigenheimen und das Genossenschaftshaus errichtet. Die damalige Leiterin der Mission, Mrs. Aline Atherton-Smith, sollte als „Pflegemutter“ der Siedlung – wie sie liebevoll genannt wurde – in der Chronik unvergessen bleiben. Im Mai 1922 wurde mit der Befestigung der ersten Straße in der Siedlung, der heutigen Anzbachgasse, begonnen. Als Baumaterial wurden Steine aus den Schützengräben von der Kuppe des Wolfersberges, der heutigen Lagerwiese, verwendet, die über einen selbstgebauten Schrägaufzug auf die Anzbachgasse und von dort mit einer Feldbahn zur Baustelle transportiert wurden.
Schließlich wurden 1924 amtliche Straßennamen genehmigt. Die Benennung nach Planeten erfolgte auf Vorschlag des Obmannes Dr. Josef Schneider.
 
1923 wurde die „Sommerschule des Wiener Volksbildungsvereines“ auf Initiative Prof. Karl Michael Koch gegründet. 1924 wurde der vierte Zug der Freiwilligen Feuerwehr Hütteldorf, die sich aus Leuten aus der Siedlung rekrutierte, auf dem Wolfersberg stationiert.
 
1927 wurde neben der bestehenden Holzbaracke das neue Schutzhaus an der Stelle errichtet, wo heute die Pfarrkirche steht. 1929 erfolgte der ordentliche Ausbau und die Beleuchtung der Anzbachgasse. Im gleichen Jahr wurde die Elektrifizierung der Siedlung im Auftrag der Siedler fertiggestellt. 1929 konnte auch der Spatenstich für die Dauerkleingartenanlage am Wolfersberg erfolgen.
 
Am 2. April 1932 wurde den Siedlern endlich der Rahmenbaurechtsvertrag genehmigt. Durch diesen Vertrag erübrigte sich die Baugenossenschaft, da jeder Siedler seine eigene Grundbuchseinlage erhielt. Die Baugenossenschaft wurde mit einstimmigen Beschluss vom 26. November 1933 aufgelöst und das Genossenschaftshaus, das „Schutzhaus am Wolfersberg“ geschlossen und zum Verkauf freigegeben. Ignaz Binder als Liquidator der Genossenschaft nahm sofort mit der Pfarre Hütteldorf hinsichtlich der Errichtung einer Notgottesdienststätte im ehemaligen Schutzhaus Kontakt auf. Diese Notkirche wurde am 9. Dezember 1934 eingeweiht.
 
Zur Zeit der Genossenschaftsauflösung 1933 gab es bereits die 1927 offiziell gegründete nichtsozialistische „Gemeinnützige Gesellschaft für Innenkolonisation, Siedlung Wolfersberg“ mit einer Kanzlei auf Anzbachgasse 71. Ihr Obmann war Dr. Josef Schneider, der spätere Reichsleiter für Siedlungsbewegung des Deutschen Reiches.
 
In alten Unterlagen des heutigen Siedlervereines finden sich Mitteilungen, wonach 1926 ein Obmann Johann Hejda (er war 1927 1. Direktor der Gemeinnützigen Bau- u. Siedlungsgenossenschaft „Wolfersberg“, außerdem Imker und am Uranusweg wohnhaft) Mitgliedsbücher unterfertigte. Von 1935 bis 1938 war Obmann Martin Bartos tätig. In dieser Zeit wurden viele Wege gepflastert. Es war uns jedoch trotz großer Bemühungen nicht möglich, die Zugehörigkeit dieser Obmänner vollständig zu klären, da es viele verschiedene Vereine gab. Wir sind Ihnen in jedem Fall für Ihre Tatkraft dankbar, egal für welchen Verein sie tätig waren.
 
1933 wurde der sozialistisch orientierte „Gemeinnützige Wirtschaftsinteressens- und Geselligkeitsverein der Wolfersberger Siedler“ (Lt. Vereinspolizei: 26.Nov. 1934) neu gegründet. Ihr erster Obmann war Edmund Kristinus. Die Vereinskanzlei befand sich vorerst noch im Untergeschoß des ehemaligen Genossenschaftshauses. Am 9. Juli 1936 erhielt der Verein von Pater Franz Sauer als Vertreter der spanischen Ordensprovinz der „Regulierten Tertiaren des Hl. Franziskus“, der inzwischen das Gebäude übernommen hatte, den Betrag von 700 Schilling angeboten, um sich damit im Haus Anzbachgasse 43 eine neue Kanzlei einzurichten. Versammlungs- und Vereinslokal war allerdings das Schutzhaus am Bierhäuslberg, in welchem es auf Grund seiner Lage in Niederösterreich kein Alkoholverbot gab.
 
Obwohl es eine Menge Aufgaben zu bewältigen gab, war es mit der Zusammenarbeit der beiden Vereine schlecht bestellt. Eine neue Wasserleitung musste verlegt werden, der Jupiterweg und der Sonnenweg wurden ausgebaut und vor allem der Kanalbau brachte große Probleme mit sich. 1936 kam es sogar zu einem Streik, weil die Baufirma den Siedlerarbeitern anstatt 1,13 nur 1,03 Schilling die Stunde zahlen wollte. In einem Verzeichnis aus dem Jahre 1935 wurden für die Siedlung Wolfersberg 564 Siedler, 1350 Einwohner, 262 Häuser, 43 Hütten und 21 Keller ausgewiesen. In den Jahren 1935 und 1936 entstand am Südhang des Bierhäuslberges unter dem Architekten Prof. Dr. Clemens Holzmeister die „Wüstenrot“ Muster-Wohnsiedlung. Den Grund für die 26 Parzellen stellte die Stadt Wien zum Preis von 4 Schilling pro Quadratmeter zur Verfügung. Die Herstellungskosten für die Häuser beliefen sich je nach Größe von 22.000 bis 50.000 Schilling.
 
Vom Anschluss bis zum Kriegsende
 
Mit dem Anschluss an Hitler-Deutschland im Jahr 1938 wurden schlagartig alle Vereine aufgelöst und deren gesamte Habe beschlagnahmt. Der Versuch, in der Notkirche ein Parteiheim der NSDAP zu etablieren, konnte nur durch Intervention der spanischen Botschaft verhindert werden, da Grund und Gebäude spanisches Eigentum und somit spanisches Territorium waren. Als Antwort wurden über Nacht sämtliche Fensterscheiben an der Gassenfront der Notkirche zertrümmert. Mit Reichsgesetz vom 15. Oktober 1938 wurde das Territorium der Stadt Wien wesentlich erweitert. Bedeutende Teile des Wienerwaldes einschließlich der Gemeinden Hadersdorf-Weidlingau mit den Siedlungen Bierhäuslberg, Loudonwiese, Landwirtschaftliche Genossenschaft und der Siedlung Eden kamen damit zu Groß-Wien.
 
Während des Krieges gab es keinen offiziellen Siedlerverein. Es hat aber Leute gegeben, die sich quasi als Siedlervertreter um deren Probleme gekümmert haben. Heimlich, aber regelmäßig trafen sie sich im Kellergeschoß des Hauses Anzbachgasse 71.
 
Jüngste Geschichte der Siedlungen
 
Gleich nach Ende des Krieges formierte sich der heutige Siedlerverein „Wolfersberg“ unter Obmann Emil Nowotny neu. Die Vereinskanzlei befand sich anfangs noch im Hause Anzbachgasse 71, der ehemaligen INKO des Dr. Schneider und übersiedelte später in das aufgelassene Feuerwehrdepot am Merkurweg 15. Aus der einstigen Siedlervereinskanzlei in der Anzbachgasse 43 wurde 1945 das Parteiheim der KPÖ. An der Stelle des ehemaligen „Schutzhauses am Wolfersberg“ in der Anzbachgasse 89 wurde 1949 die heutige Kirche nach den Plänen des Architekten Dr. Ladislaus Hruska gebaut und am 30. Oktober 1949 durch Kardinal Theodor Innitzer eingeweiht.
 
Durch die zunehmende Besiedelung des Wolfersberges und des Bierhäuselberges wuchs auch die Zahl der Schulkinder derart an, dass man sich entschloss, auf dem Grundstück Mondweg 73-83, einer „Mist-G'stätten“, eine Volksschule nach den Plänen von Architekt Friedrich Schloßberg zu bauen. Die Schule wurde am 3. Juni 1950 von Bürgermeister Theodor Körner eröffnet.
 
Die erste Autobuslinie „25“ der Wiener Verkehrsbetriebe nahm am 15. August 1949 ihren Betrieb auf. Die Linienführung entsprach dem lange bestehenden „Rundkurs“. Die Linie wurde 1961 auf „49“, 1972 auf „49A“ und schließlich 1973 nach Übernahme durch die Post in „49B“ (später 149 und 249 bzw. 49A/49B und 249 mit erweiterter Streckenführung - weitere Änderungen jederzeit möglich - Stand September 2014) umbenannt. 1950 wurde der Wasserturm auf der Sommerschule zur Verbesserung der Druckverhältnisse in den höher gelegenen Siedlungsteilen gebaut.
 
Unter Verwendung folgender Literatur:
  • 50 Jahre Pfarre St. Josef am Wolfersberg (1989)
  • Wolfersberg - Bierhäuselberg 1914-1989 (Jubiläumsbroschüre 1989)
  • Ergänzung zur Jubiläumsbroschüre (1989)
Herzlichen Dank an Gerhard Trübswasser für die Zurverfügungstellung seines Archivs
 
Heute ist der Siedlerverein Wolfersberg parteiunabhängig, gedenkt seiner Pioniere mit großer Dankbarkeit und versucht seinen Mitgliedern im Sinne „gemeinsam sind wir stark“ auch weiterhin zu dienen.
 
Obmänner des Vereines seit 1934 (offizielle Gründung)
 
Edmund Kristinus  
Emil Novotny ab 1938
Hans Ofner ab 1967
Friedrich Planinger ab 1971
Dr: Franz Satzinger ab 1979
Herbert Grill ab 1993
Klaus Breithofer seit 2005
 
 
 
September 2014
 
 
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